Skoliose und Rolfing

Die Skoliose ist gekennzeichnet durch unsymmetrische Verspannungen im Muskel- und Fasziensystem des gesamten Körpers. Diese bewirken, dass der Körper sich im Verlauf von Monaten und Jahren langsam verdreht und zusammenzieht. So entsteht die bekannte S-Form der Wirbelsäule. Diese Verdrehung verursacht weitere Symptome wie Beckenschiefstand, ungleich hohe Schultern, Verspannungen und Kopfschmerzen bis hin zu einer reduzierten Lungenkapazität. Skoliotische Jugendliche haben meist keine Rückenschmerzen.

Die Skoliose wird definiert als eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule bei gleichzeitiger Rotation der Wirbel. Die Wirbelsäule bildet dabei Bögen in der allgemein bekannten S-Form oder C-Form, die sich kompensieren, um das Körpergewicht aufrechtzuerhalten.

Die idiopathischen Skoliosen entwickeln sich meist ab dem 3. Lebensjahr und verschlechtern sich in Zeiten verstärkten Wachstums insbesondere zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr. Die Ursache für idiopathische Skoliosen (90 %) ist unbekannt. Funktionelle Skoliosen (10 %) erreichen nie die hohen Krümmungsgrade wie ideopathische Skoliosen. Sie entstehen beispielsweise infolge von Wirbelfrakturen, Operationen, Unfällen, Beinlängendifferenzen, Nervenerkrankungen.

Die schulmedizinischen Erkenntnisse und Behandlungsmethoden der Skoliose haben Sie vermutlich bereits auf einigen Webseiten ausgiebig studiert. Wenn nicht, so finden Sie eine gute Zusammenfassung dieser Fakten in Wikipedias Artikel über Skoliose.

Wie erkenne ich eine Skoliose?

Eine Skoliose können Sie an verschiedenen Merkmalen erkennen.

  • Der Kopf sitzt nicht direkt mittig über dem Becken.
  • Die Schultern sind nicht gleich hoch.
  • Die Spitzen der Schulterblätter sind nicht gleich hoch.
  • Der Oberkörper weicht von der Mitte ab (Lotabweichung).
  • Die Taillendreiecke (Luftraum zwischen Arm und Hüfte, siehe Bild) sind unterschiedlich groß.
  • Eine Hüfte ist höher und steht hervor, eventuell mit Beinlängendifferenz.

Foto: www.kid-check.de 

Beim Adams-Test neigt sich der Patient nach vorne und lässt die Arme locker herabhängen. Steht man hinter dem Patienten und schaut auf den gebeugten Rücken, so bemerkt man bei einer Skoliose:

  • eine Schulter hängt weiter nach unten die andere Schulter steht weiter nach oben (beginnender Rippenbuckel)
  • einseitig stärker ausgeprägte Lendenmuskulatur (der sog. Lendenwulst)
  • gekrümmter Verlauf der Wirbelsäule

Nur beim genauen Hinschauen erkennbare Verdrehungen der Wirbelsäule entsprechen häufig bereits einer seitlichen Verkrümmung von 20° nach Cobb. Der Facharzt bestimmt anhand eines Röntgenbildes den Cobb-Winkel der einzelnen Rückgratkrümmungen sowie die Verdrehung (Rotation) der Wirbel in der Senkrechten. Für den prognostischen Verlauf wichtige Daten sind das Alter und bei Mädchen die erste Regelblutung. – Da sich die Mehrzahl der unbehandelten Skoliosen verschlechtert, kommt der Früherkennung eine hervorragende Bedeutung zu.

Verlaufskontrolle

Nur 5 % der juvenilen Skoliosen sind nicht fortschreitend. Die übrigen 95 % nehmen bis zum Erreichen des 10. Lebensjahres jährlich um etwa 1 bis 5° zu. In der Adoleszenz, also nach dem 10. Lebensjahr, nehmen sie während des pubertären Wachstumsschubs um 5 bis 10° pro Jahr zu. Innerhalb eines Jahres kann sich der Winkel um bis zu 40° verschieben. Deshalb ist eine 3 bis 6-monatige Verlaufskontrolle durch den Facharzt unerlässlich.

Röntgen
Röntgenaufnahmen sind für die Diagnosestellung notwendig, bedeuten aber eine Strahlenbelastung. Deshalb sollten sie zum Zweck der Verlaufskontrolle keinesfalls häufiger als alle 6 Monate bei Kindern, alle 12-18 Monate bei Jugendlichen und alle 24 Monate bei Erwachsenen stattfinden(2) .

Rasterstereografie = 3D-Wirbelsäulenvermessung
Rasterstereografie ist eine lichtoptische Vermessung der Rückenoberfläche. Sie eignet sich zwar nicht für die Diagnose, jedoch liefert sie hinreichende Ergebnisse für die Verlaufskontrolle. Sie ist Stand der Technik und wird in Kombination mit dem Röntgen eingesetzt.

Medimouse / Spinalmouse
Die Medimouse ist ein der Computermaus ähnliches Gerät, mit dem der Arzt die Wirbelsäule entlangfährt. Auf dem PC-Bildschirm zeigt sich ein dreidimensionales Bild der Rückenlinie. Das System eignet sich für die Verlaufskontrolle und die Verfolgung des Therapiefortschritts.

EOS 3D-Low-dose-Röntgen (Promotion Video)
Das EOS Röntengengerät ist eine Alternative zum klassischen Röntgen und liefert 3D-Röntgenaufnahmen mit einer bis zu 80 % verringerten Strahlenbelastung. Im deutschsprachigen Raum wird es jedoch nur in wenigen Kliniken eingesetzt: an der Uniklinik Heidelberg, dem Klinikum Dortmund, der Uniklinik Friedrichsheim, der Klinik Bad Sobernheim und dem Klinikum Balgrist in Zürich. Sie müssen mit 250 Euro pro Aufnahme rechnen.

Die Forschung nach der Ursache

Progression der Skoliose
Zum Fortschreiten der Skoliose tragen verschiedene Faktoren bei, so die Gravitation selbst, Muskelaktionen, der menschliche Gang, wachstumsinduzierte  Torsion(3), und das Davis’sche Gesetz(4), welches besagt, dass Sehnen und Bänder sich verkürzen, wenn sie nicht benützt werden bzw. zu lose sind.

Ursache der ideopathischen Skoliose
Zum Stand der Forschung:  Leichte Störungen mit dem Gleichgewichtssinn (vestibulare Dysfunktion und Nystagmus) wurden bei Patienten mit Skoliose gehäuft angetroffen. Studien aus den letzten Jahren beschäftigen sich zunehmend mit diesem Thema(5),(6). Auch wird überlegt, ob vestibuläre Asymmetrien die Ursache für die ideopathische Skoliose sein könnten (7),(8). In einer Metastudie wird die Hypothese formuliert, der Ursprung der Skoliose liege in einer leichten Asymmetrie des neuromuskulären Systems(9).

Diese Informationen möchte ich Sie bitten zu berücksichtigen, wenn Sie die nachfolgenden Therapie-Optionen betrachten.

Welche Optionen gibt es?

Kieferorthopädische Untersuchung
Eine kieferorthopädische Untersuchung ist sicher sinnvoll, da ein Zusammenhang zwischen Skoliose, Fußgewölbeschwäche, Beckenschiefstand, funktioneller Beinlängendifferenz, Asymmetrien der Halswirbelsäule und Kieferasymmetrien besteht(10). Idealerweise wird die Bissebenenhöhe mittels Techniken der Professional Applied Kinesiology (PAK) ausgetestet. Danach erfolgt die Korrektur durch einen in craniomandibulärer Dysfunktion (CMD) versierten Zahnarzt.

Sensomotorische Einlagen
Die Wirksamkeit von sensomotorischen Einlagen steht deshalb immer wieder in der Diskussion(11), weil es große Unterschiede in der handwerklichen Anfertigung gibt(12) und häufig Fehler bei Beratung, Produktwahl und Anwendung gemacht werden. Der Einsatz von sensomotorischen Einlagen ist bei Beschwerden, die von den Füßen ausgehen, angesagt. Einlagen haben jedoch den Nachteil, dass die Füße sich schnell an den Reiz gewöhnen und dann nicht mehr darauf reagieren. Deshalb sollte klar sein, dass Einlagen keine Dauereinrichtung über viele Monate oder gar Jahre seien können(13). Damit die Füße die Einlagen bald nicht mehr brauchen, sind Fußkräftigungsübungen, Balanceübungen und manuelle Therapie zusätzlich notwendig.

Schroth-Methode
Die Schroth-Methode wird seit vielen Jahren erfolgreich angewendet. Schwere Skoliosen lassen sich in Reha-Kliniken wie Bad Sobernheim oder Bad Salzungen behandeln. Leichtere Skoliosen können Sie bei Physiotherapeuten mit Schroth-Ausbildung behandeln lassen. Die Methode basiert auf einer Kombination von Körperübungen und intensiver Atmung. Mithilfe der sogenannten Dreh-Winkel-Atmung und körperlicher Streckung wird eine Entdrehung oder Entwindung der Wirbelsäule bewirkt. Mit dieser Methode konnten erhebliche Fortschritte bei selbst schwersten Skoliosen erzielt werden, wie durch viele Studien belegt ist. Das Buch von Christa Lehnert-Schroth Dreidimensionale Skoliosebehandlung: Atmungs-Orthopädie System Schroth“ gibt darüber Auskunft.

Voita-Methode
Die Voita-Medthode beruht auf der Aktivierung von Reflexkriechen, Reflexumdrehen und Reflexlokomotion (Reflexkrabbeln). Prof. Václav Voita hat die Methode an Neugeborenen entwickelt, inzwischen findet sie auch bei Erwachsenen Anwendung. Durch wiederholtes Auslösen der reflexartigen Bewegung kommt es zu einer Freischaltung und Neubahnung innerhalb der blockierten nervlichen Netzwerke zwischen Gehirn und Rückenmark. Die Methode hat ein breites Wirkspektrum, so zum Beispiel bei zerebralen Paresen, Skoliosen oder Hüftdysplasien. Sie wird von Physiotherapeuten mit Voita-Ausbildung angeboten. Die Methode sollte drei- bis viermal am Tag für jeweils 20 Minuten von der Mutter an ihrem Kind oder vom Partner angewendet werden. Bei Babys kann man das gut umsetzen, bei Jugendlichen und Erwachsenen mit Skoliose scheint es eher schwierig, die Methode in den Alltag zu integrieren.

Spiraldynamik
Spiraldynamik ist ein dreidimensionales Bewegungskonzept, das gelegentlich von Physiotherapeuten angeboten wird. Das Prinzip und die Übungen aus der Spiraldynamik werden in der Skoliose-Behandlung eingesetzt. Man versucht hier, die skoliotische Verdrehung des Körpers mit einer natürlichen Gegenspirale aufzulösen. Mit dem Bewegungskonzept haben Sie einen schönen Einstieg, um die Funktionsweise Ihres Körpers in der Bewegung zu verstehen. Studien über die Wirksamkeit gibt es nicht. Die Spiraldynamik AG bietet für Skoliose-Patienten 3-Tages-Seminare in Zürich an. Mit dem Buch „Skoliose Aufrecht durch Bewegung: Die besten Übungen aus der Spiraldynamik“ von Christian Larsen bekommen Sie eine gute Einführung und erkennen gleichzeitig die Grenzen der Methode.

Yoga, Pilates und Gyrotonic
Sie können Yoga, Pilates oder Gyrotonic begleitend zur Skoliose-Therapie sinnvoll einsetzen. Jedoch gilt es zu bedenken, dass Sie mit den globalen Dehnungen dem Körper zwar helfen elastischer zu werden, doch erreichen Sie mit der Dehnung meist nicht die „hot spots“, also die lokal hoch verspannten Stellen im Körper, und laufen Gefahr, dass die Wirbelsäule deshalb ins skoliotische Muster ausweicht, und die Skoliose dadurch verstärkt und schneller fortschreitet (14). Die Methoden eignen sich daher nur unter fachkundiger Anleitung als Begleitung zur manuellen Skoliose-Therapie.

Sport
Tänzer, Schwimmer und Gymnasten haben ein geringeres Risiko für Skoliose(15), und grundsätzlich schadet Sport bei Skoliose nicht (16). Vielmehr fördern Sport, Tanz und körperliche Spiele die Geschicklichkeit, die Fähigkeit zu balancieren und die generelle Körperwahrnehmung. Sie tragen dazu bei, dass Therapien wie die Schroth-Methode oder manuelle Therapien wie Osteopathie oder Rolfing besser greifen. Förderliche Sportarten sind Klettern, Bouldern, Slacklining (Balancieren), Schwimmen, Reiten, Tanzen, Ballett, Leichtathletik, Bodenturnen und Pilates. Vermeiden sollten Sie Gewichtheben, Turmspringen, Golf, Tennis, Kunstturnen oder Bodybuilding. Auch Krafttraining ist der falsche Ansatz, denn Sie können die Skoliose nicht durch den Aufbau einzelner Muskeln wegtrainieren. Vielmehr gilt es, ein neues Bewegungsmuster durch die Aktivierung von Muskelketten – die möglichst von Kopf bis Fuß reichen – zu erlernen und in Ihren Alltag und in Ihren Sport zu integrieren, damit diese Bewegung zur zweiten Natur wird.

Balanceübungen
Propriozeption ist der Sinn für die Lage Ihres Körpers im Raum und hilft dem Menschen zusammen mit der Tiefensensibilität und dem Gleichgewichtssinn, sich aufzurichten, sich zu bewegen, zu gehen und auch zu balancieren. Skoliose-Patienten haben hier Defizite, weil die interne Landkarte ihres  Körpers, repräsentiert im Gehirn, teilweise verzerrt oder nicht genug ausgeprägt ist(17). Dies bewirkt, dass Skoliose-Patienten sich krumm bewegen, jedoch glauben, dass sie gerade sind. Hier können Balanceübungen, die möglichst vor dem Spiegel ausgeführt werden, helfen, diese interne propriozeptive Landkarte mit der Realität abzugleichen. Deshalb sollten Balanceübungen bei jeder Skoliose-Therapie eingesetzt werden. Durch häufiges Balancieren werden die neuen Bahnen im Gehirn verstärkt. So können sich Bewegungsmuster verändern, der Körper lernt, sich in einer unsicheren Situation stabil und gleichzeitig elastisch zu verhalten, und die Körperhaltung wird verbessert. Früher hat man zu diesem Zweck jungen Mädchen ein Buch auf den Kopf gelegt oder sie auf einem Seil laufen lassen. In meiner Praxis setze ich gerne das Tuning Board von Darrell Sanchez ein.

Somatic Experiencing SE
Die Somatic-Experiencing-Methode beschäftigt sich unter anderem mit Störungen im Nervensystem, die auch den Gleichgewichtssinn betreffen können. Diese Störungen können in früher Kindheit entstanden sein oder sind durch traumatische Ereignisse bedingt. In der SE-Therapie wird das autonome Nervensystem veranlasst, sich neu zu orientieren, wodurch auch Gleichgewichtsstörungen aufgelöst werden können. Diese sind eng mit der Orientierungsreaktion verknüpft, der Basis, von der aus das Gehirn eine Bewegung projektiert und dann ausführt. Die SE-Methode wird keine Skoliose beseitigen können, aber sie kann Ihnen helfen, eine sichere Basis zu finden.

Chiropraktik
Der American Chiropractic ist in den USA ein eigenständiger Beruf, der in manchen Bundesstaaten sogar operieren darf. Für die Behandlung von Skoliose vermarkten die dortigen Chiropraktiker gerne eine Kombination aus Chiropraktik, Schroth-Methode und SpineCore-Korsett. Die Vermarktungsstrategien und die Ethic des Berufszweiges stehen in den USA in der Diskussion(18). In Deutschland ist der American Chiropractic nur selten anzutreffen. Hier in Deutschland darf die Chiropraktik vom Arzt oder Heilpraktiker mit entsprechender Zusatzausbildung ausgeübt werden. Aus meiner Sicht kann sie bei sehr schweren Skoliosen ergänzend zur manuellen Therapie wie z.B. Rolfing oder Osteopathie durchaus sinnvoll eingesetzt werden.

Osteopathie
In den angloamerikanischen Ländern und in Europa ist die Osteopathie ein anerkannter Berufszweig mit umfangreicher Ausbildung. In letzter Zeit versucht man verstärkt, die Wirksamkeit der Methode durch Studien nachzuweisen, was teilweise gelingt. Für die Behandlung von Skoliosen von Kindern im Anfangsstadium ist die Osteopathie sicher eine gute Wahl. Auch eignet sie sich für die Behandlung von Funktionsstörung die durch die Skoliose im Bereich der Organe und der feine Häute im Gehirn verursacht werden. Die Osteopathie ist ein in sich geschlossenes Medizinsystem, das den Prinzipien angewandter Anatomie, Physiologie und Pathologie folgt. Sie geht davon aus, dass der Körper eine Einheit ist, welcher sich immer als Ganzes an Gesundheit und Krankheit beteiligt.

Rolfing
Rolfing – Strukturelle Integration wird in letzter Zeit öfter mit Erkenntnissen aus der Faszienforschung durch Robert Schleip(19) in Verbindung gebracht(20). Die Eigenschaften von Faszien werden durch diese Forschungen neu definiert; diese Erkenntnisse finden in der Fitness- und Sportgemeinde Beachtung und werden auf Kongressen diskutiert(21). Im Rolfing arbeitet man mit den faszialen Strukturen im Körper, um chronische Verspannungen zu lösen und so dem Körper zu ermöglichen, sich aufzurichten und frei zu bewegen. Entsprechend eignet sich Rolfing hervorragend für die Behandlung von Skoliosen. Jede Skoliose ist eine langsame Bewegung, bei der sich der Körper in sich verdreht und gleichzeitig zusammenzieht, sodass die Wirbelsäule seitlich ausweicht. Das gesamte Fasziensystem vom Kopf über die Wirbelsäule bis hin zu den Füßen ist von dieser skoliotischen Verwindung betroffen. Im Rolfing arbeiten wir daran, diese skoliotische Verwindung zu entwinden, also eine De-Rotation und De-Kompression der Wirbelsäule zu erreichen. – Es gibt beeindruckende Fallbeispiele dafür, was die Rolfing-Methode leisten kann.

Erik Dalton beschreibt in „Scoliosis: A Case Study“ wie er dieses Mädchen 1993 mit der Rolfing-Methode behandelte. Die beiden Fotos liegen 3 Jahre auseinander(22).


Dynamische Korsetts
Eine Alternative zum Hartschalenkorsett ist das dynamisch korrigierende Korsett von SpineCore. Es ermöglicht dem Körper die notwendige Bewegungsfreiheit, kann unter der Kleidung getragen werden und findet bei Kindern und Erwachsenen bis zu einem Winkel von ca. 30° nach Cobb Anwendung. Eigentlich ist es kein Korsett, sondern eher eine Art Bandage, die den Körper sanft ins neue Bewegungsmuster drängt. Die SpineCore-Korsetts eignen sich jedoch nicht für jede Skoliose, sie verlangen vom Orthopädietechniker Geschick und Sachverstand und vom Patienten engagiertes Verhalten. Aktuell sind SpineCore-Korsetts in Deutschland nur in Freiburg erhältlich.

Hartschalenkorsetts
Die Auffassung, dass man abwartet und nichts tut, bis die Skoliose 20° erreicht hat, um dann ein Korsett zu verordnen, teile ich nicht. Vielmehr sollten selbst geringgradige Skoliosen möglichst früh behandelt werden. Hartschalenkorsetts werden immer wieder kontrovers diskutiert. Sie vermindern die Lebensqualität(23), und reduzieren die Vitalkapazität der Lunge, weil sie die Rippen zusammendrücken(24). Die verringerte Lungenfunktion ist mit der eines Rauchers vergleichbar. Korsetts schränken die Bewegung ein, weshalb die Rücken- und Bauchmuskeln atrophieren (schrumpfen); langfristig können durch die mangelnde Bewegung Gelenkprobleme entstehen. Das Korsett behindert die Beweglichkeit in einer Zeit, in der Jugendliche ihren Körper intensiv ausprobieren und sich viel bewegen sollten. Wird das Korsett abgelegt, tendiert der Körper zurück ins skoliotische Muster, weil er kein neues Bewegungsmuster anlegen konnte. Deshalb muss es „ausgeschult“, also langsam abgelegt werden. Hinter dem Korsett steht die Idee, man könne die Skoliose aus dem Rückgrat seitlich herausdrücken. Dies ist eher eine mechanische als eine neurologische Sichtweise. Ist der Rücken leicht krumm und denkt das Gehirn, er sei gerade, so macht eine Bewegungstherapie mehr Sinn als eine Immobilisierung durch ein Korsett. Trotzdem werden Korsetts weiter verordnet, weil sie sich bedingt bewährt haben. Die Korsett-Technik wurde in den letzten Jahrzehnten verfeinert, jedoch ist die Erfolgsquote zwischen den Korsett-Typen sehr unterschiedlich(25). Leider kann man nicht voraussagen, ob und wie stark sich eine Skoliose verschlechtern wird. Deshalb sind Korsetts nach einer Studie in Abhängigkeit von der Tragedauer zu 72 % erfolgreich, gegenüber 48 % in der Kontrollgruppe, die ohne Korsett auch keine Verschlechterung erfahren haben. Mit anderen Worten: Zum großen Teil sind Korsetts unnötig, nur weiß man nicht, wann(26),(27). Zusammenfassend lässt sich sagen: Falls sich die Skoliose trotz Anwemdung alternativer Therapie-Methoden und all Ihrer Bemühungen zusehends verstärkt, kann das Korsett notwendig werden.

Operation
Seitens der Schulmedizin wird die Operation ab einem Winkel von 40° nach Cobb empfohlen. Bei der Operation werden Metallstangen eingebaut und Wirbelsäulenabschnitte versteift. Die Rate an Komplikationen durch die Operation wird als hoch eingestuft(28). 19 % der Operierten müssen nachoperiert werden(28). 10 % haben postoperative Schmerzen für länger als ein Jahr(29). 25 % der Operierten haben chronische Schmerzen und suchen deshalb nach Jahren eine Schmerzklinik auf(29). 15 % der Kinder berichten fünf Jahre nach der Operation von moderaten bis heftigen Schmerzen(30).  Jugendliche sagen, sie hätten fünf Jahre nach der Operation mehr Schmerzen im Vergleich zu zwei Jahren nach dem Eingriff(31). Die Misserfolgsrate von Wirbelsäulenoperationen wird sehr unterschiedlich bewertet und es scheint schwierig zu sein, den Misserfolg anhand von Faktoren wie zum Beispiel Tabakkonsum, Adipositas, Depression, sozialen Faktoren oder Stress vorhersagen zu können(32). Die Entscheidung für oder gegen eine Operation wird auch unter Experten diskutiert und in lesenswerten Metastudien untersucht(25),(33). Übersichtlich und für den Laien verständlich ist die Liste der Pros & Kontras von kidhealth.com(34). – Die Entscheidung ist sicher nicht leicht und hängt immer vom Einzelfall ab. Wenn Sie sich zu einer Operation durchgerungen haben, brauchen Sie ein OP-Team, dass Sie gut berät und auch nach der Operation betreut.

Graphik: Scoliosis Syndrome By Karena Thek


Meine Empfehlung

Sie werden nicht all die oben genannten Therapieoptionen brauchen oder wahrnehmen können. Deshalb hier nun meine Empfehlung.

  • Facharzt:
    Verlaufskontrollen bitte regelmäßig besuchen
    sensomotorische Einlagen bitte abklären
    Bisskorrektur durch den Kieferorthopäden bitte abklären
  • Physiotherapie:
    Spiraldynamik, Schroth-Methode, möglichst aus einer Hand beim Physiotherapeuten – damit Sie in die Bewegung kommen und Ihre Bewegungsmuster kennenlernen.
  • Sport
    Mindesten 3 Mal pro Woche z. B. Klettern, Joggen, Schwimmen, Wasseraerobic etc.
  • Manuelle Therapie:
    Rolfing oder Osteopathie oder beides – damit die chronischen Spannungen in den Muskeln und Faszien schrittweise gelöst werden.
  • Bewegungsschulung:
    Sie brauchen einen Coach für Bewegung, für Körperhaltung und für Ihre Selbstwahrnehmung des Aufrechtstehens. Dies kann ein Feldenkreis-Lehrer, Tanzlehrer oder Pilates-Trainer sein.
  • Balanceübungen
    Balancieren sollten Sie täglich ein paar Minuten. Es hilft Ihnen, Stabilität aufzubauen, und trainiert das Nervensystem. Ich habe es als Extra-Punkt aufgeführt, weil diese Übung so essenziell ist.

Meine Arbeitsweise

Wir werden in meiner Praxis auf Ihre Bedürfnisse speziell zugeschnittene Übungen finden, die Sie in Ihren Alltag integrieren können. Wir arbeiten an Ihrer Haltung, an Ihrem Gang und an der Art und Weise, wie Sie auf Stühlen sitzen. Wir schauen uns jene Bewegungen an, die Ihrem Körper fehlen, die er verlernt hat oder nicht kennt, und erkunden dann neue Bewegungsmöglichkeiten. Wir erforschen, wie Sie Stabilität und Länge in Ihrem Körper erzeugen können. Es geht hier nicht um Kontrolle die Sie ihrem Körper aufzwingen, sondern eher um ein spielerisches Suchen, Ausprobieren und Erkunden von Neuland.

Den Weg zu dieser neuen, stabilen und doch beweglichen Haltung werde ich Ihnen ebnen, indem ich mit der Rolfing-Methode hinderliche Verspannungen in Ihrem Körper löse. Zu diesem Zweck werden Sie in jeder Session mehr als die Hälfte der Zeit auf der Massagebank liegen.

Aber viel wesentlicher ist, dass Sie in Ihrem Alltag aktiv werden, dass Sie immer wieder versuchen, bewusst mit Ihrem Körper umzugehen, und dass Sie Freude am kreativen Spiel mit der Bewegung finden, dass Sie Sport treiben oder tanzen und ein Gefühl für Balance entwickeln.

Das ist der Weg, auf dem ich Sie oder Ihr Kind begleiten kann.

Journal Rückenzeit

In dem Journal Rückenzeit finden Sie ein Interview mit Stephan Lautz zum Thema Skoliose. Einfach aufs Bild klicken oder hier.

Quellen:

1  Quelle Foto: www.kid-check.de Die Aktion gegen Haltungsschwäche!
2  „SOSORT 2012 consensus paper: reducing x-ray exposure in pediatric patients with scoliosis“ Patrick Knott, Eden Pappo, published 2012
3  „2011 SOSORT guidelines: Orthopaedic and Rehabilitation treatment of idiopathic scoliosis during growth“ Stefano Negrini, published 2011
4  Davissches Gesetz Wikipedia
5  „Development of Auditory and Vestibular Systems“ Book by  R. Roman Seite 501
 „Horizontal postrotatory nystagmus response in female subjects with adolescent idiopathic scoliosis“ Jensen GM, published 1979
7  „Vestibular Asymmetry as the Cause of Idiopathic Scoliosis: A Possible Answer from Xenopus“ François M. Lambert, published 2009
8  „Does adolescent idiopathic scoliosis relate to vestibular disorders? A systematic review.“ Catanzariti JF published 2014
9  „Hypothesis on the Pathogenesis of Idiopathic Scoliosis“ F.H: Wapstra , published 2012
10  „Wechselwirkungen zwischen Körper- und Kieferasymmetrie? Untertitel: Bedeutung der pädiatrischen Vorsorgeuntersuchung mit kieferorthopädisch-orthopädischem Screening“ Heike Korbmacher, Dr. med dent, Gerald Eggers-Stroeder
11  „Sensomotorische Einlagen: Bei Beschwerden können sie helfen?“ BR Fernsehen
12  www.fussgesundheit.info
13  „Effektivität und Wirksamkeit einer funktionell-dynamischen Schuheinlagenversorgung im Sport“ Heiner Baur, Dissertation 2004,  S. 119 ff
14  „Probleme mit Hatha-Yoga-Übungen bei Skoliose“von Christa Lehnert-Schroth, ca 2014
15  „Physical activities of Patients with adolescent idiopathic scoliosis (AIS): preliminary longitudinal case–control study historical evaluation of possible risk factors“ Marianne E McMaster, published 2015
16  „Is physical activity contraindicated for individuals with scoliosis? A sytematic literature review“ Bart N. Green, published 2008
17  „Scoliosis and Proprioception“ by Robert Schleip published 2000
18  „Chiropractic controversy and criticism“ Wikipedia
19  www.somatics.de Webseite von Dr. Robert Schleip
20  Deutsche Gesellschaft für Myofascial Release e.V.
21  Fascia Research Congress
22  „Scoliosis: A Case Study“ Eric Dalton, ca 1993
23  „Outcome assessment of bracing in adolescent idiopathic scoliosis by the use of the SRS-22 questionnaire“ Kenneth M.C. Cheung, 2006
24  „Pulmonary restrictive effect of bracing in mild idiopathic scoliosis“ J D Kennedy, published 1987
25  „2011 SOSORT guidelines: Orthopaedic and Rehabilitation treatment of idiopathic scoliosis during growth“ Stefano Negrini, published 2011
26  „Auswirkungen einer Korsettversorgung bei Jugendlichen mit einer idiopathischen Skoliose: die BRAIST – Studie“ Carolin Reuschel
27  „Effects of Bracing in Adolescents with Idiopathic Scoliosis“ Stuart L. Weinstein, published 2013
28  „Rate of complications in scoliosis surgery – a systematic review of the Pub Med literature“ Hans-Rudolf Weiss, published 2008
29  „Persistent pain in patients following scoliosis surgery“ G. T. C. Wong, V. M. Y. Yuen, published 2007
30  „Pain prevalence and trajectories following pediatric spinal fusion surgery.“ Sieberg CB, published 2013
31  „Adolescent idiopathic scoliosis patients report increased pain at five years compared with two years after surgical treatment.“ Upasani VV, published 2008
32  „Predictors of surgical outcome and their assessment“ Anne F. Mannion, published 2006
33  „Adolescent idiopathic scoliosis – to operate or not? A debate article“ Hans-Rudolf Weiss, published 2008
34  „Cons of Having or Not Having Surgery“ and „Pros of Having or Not Having Surgery“ by www.aboutkidshealth.ca
35  Quelle Foto: Muscle Imbalances and Scoliosis

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Vom Ursprung der Verspannungen

Babys ahmen ihre Eltern nach und können so auch deren Fehlhaltung übernehmen. Später folgen der Druck in der Schule und die Ängste in der Pubertät, die sich als Schutzhaltung im Körper ausdrücken. Manchmal rufen aber auch das westliche Schönheitsideal oder eine militärische Haltung im Körper Verspannungen hervor. Diese verformen einen Körper sehr langsam, bis nach vielen Jahren die gesamte Körperstatik verschoben ist.

Ein Jugendlicher, dessen Körper nichts „Besseres“ kennt, wird seine verschobene Körperstatik als „normal“ empfinden. Im Verlauf von Jahren durchlebt sein Körper nun immer wieder Stress im Alltag. Im Stress zieht sich der Körper zusammen, er kontrahiert in das bestehende Muster hinein und verstärkt so die verschobene Statik.

Dieser Prozess wird in der Regel erst relativ spät wahrgenommen. Der Körper passt sich an die verschobene Statik immer mehr an, indem er Umbauprozesse organisiert: Gewebe wird verstärkt, Gelenke werden einseitig abgenutzt. Unwohlsein und Schmerzen treten auf. Überlastete Muskeln werden schwach. Die Körperspannung lässt nach. Nachfolgend ein paar typische Symptome:

  • Schulter- und Armprobleme beim Sitzen am PC
  • Probleme, wenn Sie lange stehen
  • Probleme mit dem Liegen und der Matratze
  • Probleme beim Sich-Umdrehen und Einparken
  • Nackenschmerzen und Spannungskopfschmerzen
  • Harte und verspannte Schultern

Was erwartet mich in der Rolfing Sitzung?

Eine Zusammenarbeit erwartet Sie – eine Entdeckungsreise, auf der Sie und ich gemeinsam einen Weg suchen, Ihrem Körper zu helfen. Er ist unsere Landkarte. Mit drei Aspekten werden wir uns immer wieder auseinandersetzen:

  • Aufmerksamkeit
  • Stabilität
  • Bewegungsfreiheit

Aufmerksamkeit

  • Sie werden sich Ihrer Angewohnheiten bewusst.
  • Sie lernen Spannungen und Dysbalancen wahrzunehmen.

Stabilität

  • Mit manuellen Rolfing-Techniken löse ich Stellen, die zu stabil, d.h. verspannt sind.
  • Durch Stärkung von bestimmten Muskeln gleichen Sie mangelnde Stabilität aus.
  • Durch Wahrnehmung der Gravitation im Körper lernen Sie, sich auszubalancieren.

Bewegungsfreiheit

  • Wir erarbeiten gemeinsam Stretch- und Dehnübungen.
  • Durch Veränderung von gewohnten Bewegungsmustern verhindern Sie den Rückfall in bekannte Verspannungen.
  • Mit manuellen Rolfing-Techniken verhelfe ich Ihrem Körper zu mehr Bewegungsfreiheit.

In jeder Session werden wir diese drei Punkte erneut erforschen.

Was ist das Ergebnis?

Das Ziel dieser Arbeit ist kein Endzustand wie „gesund“ oder „schmerzfrei“, sondern ein Prozess, der das in Bewegung bringt, was festgehalten wurde; ein Prozess, der Raum im Körper schafft, den Sie in Ihrem Alltag mit Bewegung ausfüllen können. Die Schmerzen, derentwegen Sie ursprünglich kamen, werden sich lösen, je mehr Sie sich entspannen, je mehr Sie sich aufrichten und frei bewegen.

Endlich werden Sie sich in Ihrem Körper wieder wohlfühlen können. Sie werden auch Ihren Körper aufmerksamer wahrnehmen und ein feineres Gespür für Balance und Körperhaltung entwickeln. Wenn Sie dann im Alltag immer öfter bemerken, wie beschwingt und leichten Schrittes Sie durch die Welt gehen, wie Ihre Bewegungen locker und leicht fließen, und wenn Sie entdecken, dass „Bewegung“ und „Freiheit“ wie Bruder und Schwester sind – dann beginnen Sie diese neue Freiheit zu genießen. Dann sind Sie auf dem richtigen Weg.

Running mit Rolfing

Rolfing improves posture in running sportsmen

Laufen und Triathlon gehören zu den Sportarten, die den Körper mit am stärksten beanspruchen. Aufgrund der sich wiederholenden Bewegungsabläufe sind Läufer besonders anfällig für Verletzungen durch Überbeanspruchung. Nichts ist mehr gefürchtet als die verletzungsbedingte Trainingspause mitten in der Saison.

Aber was können Sie tun, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren? Die Antwort ist sehr einfach.
Hören Sie auf Ihren Körper, lernen Sie ihn gut kennen, Weiterlesen

Rolfing – Was ist das? – Eine Einführung

Die Rolfing-Methode arbeitet mit dem Bewegungssystem des Körpers, sie ist „Hands-on-Bodywork“. Rolfing geht davon aus, dass Verspannungen und Schmerzen, die viele Menschen im Bewegungsapparat haben, durch eine ungünstige Verteilung der statischen Kräfte im Körper hervorgerufen werden. Im Rolfing wird diese Kräfteverteilung schrittweise verändert, damit die räumlichen und statischen Strukturen möglichst gut ausbalanciert sind.

Was ist Strukturelle Integration?

Im Rolfing arbeiten wir mit den räumlichen Strukturen des Körpers. Wenn z.B. eine Schulter nach vorne hängt, dann ist diese „Struktur“ nicht an ihrem Platz, sie ist „desintegriert“. Dies führt zu Verspannungen und Druckveränderungen in verschiedenen Körperregionen bis hinab zu den Füßen. Wenn jedoch diese Schulter ihren bestmöglichen räumlichen Platz eingenommen hat, behindert sie den restlichen Körper nicht mehr. Sie ist nun wieder Teil des gesamten Systems geworden, sie hat sich „integriert“. Den Prozess – die Struktur der Schulter in die Gesamtstruktur des Körpers zu integrieren – bezeichnen Rolfer als „Strukturelle Integration“.

Die Grundlage von Rolfing: Gravitation

Egal, wo Sie als Mensch gerade auf der Erde stehen: Der Erdmittelpunkt befindet sich immer genau unter Ihnen. Ihr Körper ist dazu gebaut, sich ununterbrochen mit der Kraft auseinanderzusetzen, die ihn zum Erdmittelpunkt zieht. Wenn Sie z.B. Ihren Kopf hängen lassen, bewirkt die Gravitation, dass Ihr Kopf nach unten gezogen wird. Lassen Sie Ihren Kopf ein paar Jahre lang hängen, so verändert sich Ihre gesamte Körpergeometrie; es entsteht ein Haltungsschaden. Lesen Sie weiter in Gravitation und Rolfing.

Eine typische Rolfing Session

Am Anfang der Session berichten Sie mir, wie Sie sich in Ihrem Körper fühlen und wo „der Schuh drückt“. Ich schaue mir den Fluss Ihrer Bewegungen an, während Sie gehen, stehen oder sich hinsetzen, und stelle die eine oder andere Ihren Alltag betreffende Frage, also welchen Tätigkeiten Sie besonders oft nachgehen oder welche Ihnen besonders schwer fallen.

Im zweiten Teil, wenn Sie auf der Massagebank liegen und Rolfing bekommen,  werde ich Sie ab und zu bitten aufzustehen. Sie berichten mir dann, was sich verändert hat. Das ist immer sehr spannend, denn jeder Mensch reagiert anders, und es ist nie ganz klar, wohin die Reise führt. Der „Reiseleiter“ ist nämlich Ihr Körper. Er sagt uns beiden – Ihnen und mir – wo es langgeht.

Im dritten Teil geht es um Bewegung. Das ist ein wenig so, als würden Sie in einem Laden ein paar neue Schuhe anprobieren. Sie laufen hin und her, wippen auf der Stelle, spüren nach, ob der neue Schuh gut sitzt, und müssen sich mit diesem ganz ungewohnten Gefühl von „neuen Schuhen“ erst mal anfreunden. Sie berichten mir, wie sich das anfühlt. Gemeinsam besprechen wir, wie es weitergehen kann. Lesen Sie weiter über eine Typische Rolfing Session.

Wann wird Rolfing angewendet?

Einschränkungen und Probleme mit dem Bewegungsapparat äußern sich sehr unterschiedlich. Lesen Sie weiter in Orthopedische Symptomenliste für Rolfing.

Spätfolgen einer OP oder eines Unfalls
Verletzungen, Narben oder Schmerzen führen dazu, dass der Körper eine Schonhaltung einnimmt, um dem Schmerz auszuweichen. Dadurch verschiebt sich die Körperstatik und die Folgen sind Haltungsschäden oder Gelenkverschleiß. Lesen Sie weiter in Orthopädie und Haltungsschaden.

Sport
Bei chronischen Verletzungen, muskulären Verspannungen und Überbeanspruchung kann Rolfing Ihnen helfen, wieder schneller fit zu werden. Durch strukturelle Arbeit finden Sie zu effizienteren Bewegungen. Lesen Sie weiter in Running mit Rolfing.

Skoliose
Wenn die statischen Verspannungen im Körper immer stärker werden, beginnt der Körper dem Druck auszuweichen, er verformt sich. Betrifft dies die Wirbelsäule, spricht man von Skoliose. Lesen Sie weiter in Skoliose und Rolfing.

Yoga
Mit Yoga können Sie einen Weg beschreiten, der zu einem flexiblen Körper und persönlichem Wachstum führt. Rolfing unterstützt Sie auf diesem Weg; es hilft Ihnen, Verletzungen zu vermeiden, und öffnet persönliche Hotspots, die Sie mit den Yogaasanas allenfalls im Einzelunterricht mit einem erfahrenen Lehrer erreichen. Lesen Sie weiter Yoga und Rolfing.

Körperhaltung und persönliche Entwicklung
Wenn Ihr Körper eine aufrechte, entspannte Haltung einnimmt, können Bewegungen harmonischer fließen und Körper und Seele leichter Einklang finden – persönliche Entwicklung kann sich entfalten. Diese Beobachtung haben Rolfing-Klienten und Eltern von „gerolften“ Kindern immer wieder gemacht. Solche Veränderungen lassen sich jedoch nicht innerhalb von ein paar Sessions erzielen. Dazu braucht es mehr Zeit. Lesen Sie weiter in Das Rezept: Die 10er-Serie im Rolfing.

Was bewirkt Rolfing?

Die Effekte von Rolfing sind vielseitig. Klienten berichten von abklingenden Symptomen und Schmerzen. Die Folgen sind verbesserte Körperhaltung, mehr Flexibilität und Bewegungsfreiheit, Energiezuwachs und Vitalitätssteigerung, Leistungssteigerung im Sport, klarere Körperwahrnehmung, fließende Bewegungen, gesteigerter Selbstausdruck und verbesserte Erdung. Vielleicht fühlen Sie sich in Ihrem Körper einfach nur sehr, sehr wohl.

„Einige Individuen mögen ihren verlorenen Kampf mit der Schwerkraft als einen scharfen Schmerz in ihrem Rücken wahrnehmen, andere als die unschmeichelhafte Kontur ihres Körpers, wieder andere als ständige Müdigkeit, wieder andere als eine unerbittlich bedrohliche Umgebung. Die über Vierzigjährigen mögen es Alter nennen. Und doch deuten all diese Signale auf ein einziges Problem hin, das in ihrer eigenen Struktur und anderen so ausgeprägt ist, dass es ignoriert wurde: Sie sind aus dem Gleichgewicht, sie befinden sich im Krieg mit der Schwerkraft.“
Dr. Ida P. Rolf


Lesenswerte Bücher:

Hubert Ritter, Rolfing. Strukturelle Integration: Bessere Haltung und Balance durch manuelle Behandlung. Richtig bewegen, Beschwerden vorbeugen, 112 S., 19,95 €, Noema Verlag, ISBN 978-3981278118
Hubert Ritter erläutert Ihnen die Grundprinzipien einer aufrechten Körperhaltung. Das schnell und leicht zu lesende Taschenbuch vermittelt Ihnen einen schönen Eindruck darüber, was Sie in einer Rolfing Session erwartet.

Dr. Ida Rolf, Rolfing: Strukturelle Integration. Wandel und Gleichgewicht der Körperstruktur, 320 S., antiquarisch
Dieses Buch ist das Standardwerk für alle Rolfer weltweit. Es ist sehr anschaulich geschrieben, sodass auch der interessierte Laie einen guten Einblick in den theoretischen Hintergrund der Rolfing-Methode erhält. Die vielen Grafiken und Vorher-Nachher-Fotos von Klienten verdeutlichen die anatomischen Zusammenhänge und den erstaunlichen Effekt, den Rolfing auf den Körper haben kann.

Das Rezept: Die 10er Serie im Rolfing

Zu mir kommen oft Klienten mit heftigen Beschwerden. Hier steht das jeweilige Thema so sehr im Vordergrund, dass ich nicht nach der 10er Serie arbeite.  In solche Fällen gilt es dem Körper zu helfen die schmerzhafte Symptomatik schnell auf ein erträgliches Niveau zu reduzieren.

Einige Kunden kommen zu mir, um die Rolfing 10er Serie zu bekommen. Sie wissen, dass dies ein Prozess ist, in den sie eintreten. Sie haben in der Regel eher leichte körperliche Beschwerden, die wir in den Prozess der 10er Serie integrieren können.

“ Ihr werdet viel von dem Wort ,Rezept‘ hören, das hier herumfliegt, was soviel bedeutet wie, dass es eine Wegbeschreibung gibt, es gibt eine Karte, mit der ihr euch dieser Sache nähert, aber ich werde mitnichten glücklich sein, wenn es das einzige ist, was Ihr über Eure Arbeit wisst!“
Dr. Ida P. Rolf (1)

Die Rolfing® 10er Serie wurde von Dr. Ida Rolf konzipiert, als sie nach 30 Jahren praktischer Erfahrung begann, ihre Methode an Schüler weiterzugeben. Jede Behandlung hat einen speziellen Schwerpunkt, und die ganze Serie folgt einer inneren Logik. Im Laufe der zehn Sessions werden schrittweise die Verkürzungen im Fasziensystem bearbeitet und Sie lernen, mit der neu gewonnenen inneren und äußeren Bewegungsfreiheit umzugehen.

Dr. Ida Rolf hat zwar das Konzept der 10er Serie ihren Schülern beigebracht, doch wenn sie selbst eine Session gab, hat sie sich nur selten daran gehalten. Das Konzept ist deshalb nicht wertlos, sondern es zeigt, dass es wichtiger ist zu erkennen, was ein Körper gerade braucht, als ihm mit einem vorgefertigten Konzept zu begegnen. Das Konzept zeigt zudem, dass es mindestens zehn Sessions braucht, um eine Veränderung in der Körperhaltung zu bewirken. Außerdem verdeutlicht es, dass die Arbeit am menschlichen Körper ein Prozess in vielen Schritten ist. Wen wundert es, dass diese Schritte einer gewissen inneren Logik folgen, die der Körper uns vorgibt.

Session 1 – Atmung und Brustkorb

Eine leichte, befreite Atmung ist die Basis, damit Sie entspannen können, und die entspannte Atmung ist die Basis für eine ausbalancierte Körperstruktur. Damit der Brustkorb beweglich wird und die Lungen frei atmen können, werden auch angrenzende Strukturen wie Nacken, Schultergürtel, Lendenwirbelsäule und sogar die Oberschenkel bearbeitet.

Session 2 – Füße stabilisieren, Nacken entspannen

Die Füße sind die Basis, die den Körper in seiner Flexibilität und Stabilität unterstützt. Fehlt dem Körper diese Basis, muss er weiter oben für Stabilität sorgen. Das führt oft zu angespannten Schultern und einem verspannten Nacken. Wenn die Füße und Unterschenkel gut unter dem Becken stehen, kann der Mensch sich weiter oben entspannen. Nacken, Schultern und Arme können dann loslassen und locker werden.

Session 3 – Körper-Seitenlinie ausrichten

Die Seitenlinie beginnt beim äußeren Knöchel und endet am Ohr. Der wesentlichste Bereich ist der seitliche Raum zwischen dem Brustkorb und dem Becken. Der Lendenwirbelsäule (LWS) Beweglichkeit zu geben und von der LWS aus den Anschluss an Schultergürtel und Beckengürtel herzustellen, hilft dem Körper, wieder beweglich und drehfreudig zu werden.

Session 4 – Den Kern vom Boden aus öffnen

Der Kern des Körpers beginnt am Fußgewölbe und geht auf der Beininnenseite über den Beckenboden entlang der inneren Wirbelsäule durch den Hals in den Kopf. Die Session 4 arbeitet mit dem unteren Kernbereich, vom Fußgewölbe bis zum Beckenboden, um für die darüberliegenden Bereiche eine Basis herzustellen. Diese Basis entsteht durch den Kontakt zum Boden und die Durchlässigkeit des Kerns über den Innenfuß bis in den Beckenboden.

Session 5 – Becken mit Bauch und Beinen verbinden

Die Session 5 ist eine Fortsetzung der 4. Session. Nun geht es darum, den Kontakt zum Boden in Bewegung umzusetzen. Betrachten Sie Bewegung als Impuls, der aus dem Boden kommt und sich von den Beinen über das Becken in den Körper ausbreitet. Die Position des Beckens, seine Beweglichkeit und die Art, wie es eine Bewegung aus den Beinen in den Rumpf überträgt, wie es die Organe stützt und an den Brustkorb anbindet, sind ein großes Thema.

Session 6 – Sakrum und Rückgrat bekommen Raum

Das Sakrum (Kreuzbein) braucht Raum und Beweglichkeit, um die Impulse, die aus dem Boden kommen, in den Rücken weiterleiten zu können. Vom Sakrum bis in die Arme soll der Rücken durchlässig für den Fluss der Bewegung werden. Es soll Impulse in einem Spiel von Anspannung und Entspannung weiterleiten. Jeder Schritt, den Sie gehen, sendet Bewegungsenergie in den Rücken und bereitet so den nächsten Schritt vor. Je durchlässiger der Rücken für die Bewegung wird, desto effektiver bewegen Sie sich.

Session 7 – Kopf und Hals mit dem Sakrum verbinden

Der Kopf wiegt viel und will jede Sekunde balanciert werden. Ist er nicht an seinem Platz, muss er von unten gestützt werden und behindert den Rumpf in der Beweglichkeit. Kopf und Nacken von Spannungen zu befreien, tut gut. Aber erst, wenn Kopf und Nacken ausbalanciert mit Schultergürtel und Rücken verbunden sind und ein Bezug zum Sakrum entsteht, kann der Kopf den Bewegungsimpuls aus den Beinen aufnehmen, ausbalancieren und zurückschicken.

Session 8 – Integration: statische Balance

Der Körper ist aufgerichtet. Der Kopf ruht über den Füßen. Im Verlauf der 7. Session wurden viele Themen im Körper angesprochen. Einige Stellen benötigen noch zusätzliche Aufmerksamkeit, damit die Balance stabiler wird. Sie zu integrieren bedeutet, sie innerhalb des Körpers in Bezug zur Umgebung zu setzen und in Bezug zur Schwerkraft.

Session 9 – Integration: dynamische Balance

Bei jedem Schritt verschraubt sich der Körper ein wenig, speichert diese Bewegungsenergie im Fasziengewebe wie in einem Gummiband und gibt sie beim nächsten Schritt wieder frei. Je durchlässiger die einzelnen Bereiche des Gummibandes sind, desto leichter fließt die Bewegung bei jedem Schritt, desto effektiver und angenehmer wird die Bewegung empfunden.

Session 10 – Integration: innere und äußere Balance

Der Körper steht unter dem konstanten Einfluss der Schwerkraft. Die Aufrichtung in der Senkrechten ist die erste Bewegung und bereits ein Balanceakt. Die zweite Bewegung ist die dynamische Balance, die Bewegung des Körpers durch den ihn umgebenden Raum. Die Wahrnehmung, wie sich das Körperinnere zum Außenraum verhält, ist die dritte Bewegung. In der 10. Session wird der Körper in seiner Dreidimensionalität erfasst und als Ganzes betrachtet. Er soll eine Einheit bilden, in der jedes Teil mit dem Ganzen verbunden ist.

„“Wir sind nicht wirklich aufrecht, wir sind nur auf dem Weg zum Aufrechten. Dies ist eine metaphysische Betrachtung. Eine der Aufgaben eines Rolfers ist es, diesen Prozess zu beschleunigen. Wir wollen den Menschen von dem Platz befreien, wo die Schwerkraft sein Feind ist. Wir wollen ihn an den Platz bringen, wo die Schwerkraft ihn unterstützt und sein Freund ist, eine wohltuende und nährende Kraft.““
Dr. Ida P. Rolf Rolfing and Physical Reality, page 88

Die Rolfing 10er-Serie habe ich hier mit einfachen Worten skizziert. Der anatomische und theoretische Hintergrund ist jedoch viel komplexer und verlangt von jedem Rolfer eine umfangreiche Ausbildung. Sie können die 10er-Serie als Rezept, als hilfreichen Wegweiser betrachten, aber letztlich ist es der Körper des Klienten, der die Richtung und den Verlauf der einzelnen Sessions bestimmt. Deshalb gibt es auch keine Gewähr dafür, dass jede Session genau so ablaufen wird, wie hier beschrieben. Auch sind Sie nach Ablauf der 10er-Serie kein fertig gebackener, perfekter Mensch, sondern Ihr Körper ist einfach ein paar Schritte weiter – und das kann schon sehr viel bedeuten.


(1) Quelle: „The Science of Structural Integration: A Rationale for Research“ by Ben Hanawalt
Rolf, I. P. (Speaker). (1976c). Audio Tape A3, Side 1. Retrieved from http://www.rolfguild.org/member/ tape-a3-side-1

Orthopädische Symptomenliste für Rolfing

Wenn Kürbis aushöhlen für Halloween ein Beruf wäre. Wie würde wohl der Körper der beiden Jungen auf diese Belastung nach 10 oder 20 oder 30 Jahren reagieren? Wie würde er sich anpassen?  Mit welchen Symptomen wäre zu rechnen?


Lokale orthopädische Symptome

Lokale Symptome äußern sich meistens durch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen. Relativ schnell beginnt der Körper, eine Schonhaltung zu entwickeln, um die betroffene Stelle zu schützen. Im Rolfing entlasten und mobilisieren wir diese Region. Außerdem analysieren wir das Bewegungsmuster und helfen dem Körper mit verschiedenen manuellen Techniken, die Schonhaltung zu verlassen.


Verletzungen und Rehabilitation

Ergänzend zu den klassischen Reha-Maßnahmen können Sie Rolfing einsetzen, um die Wiederherstellung Ihrer Gesundheit zu beschleunigen und um Spätfolgen und Haltungsschäden möglichst früh zu begegnen, z.B. bei folgenden Symptomen:


 

Haltungsprobleme und Bewegungseinschränkung

  • Probleme beim Sitzen am PC
    Die Arbeit am PC wird nicht weniger – und Ihre täglichen Rückenschmerzen werden es auch nicht. Schultern, Nacken und Ihr unterer Rücken verspannen sich täglich und bremsen Ihre Motivation.
  • Probleme beim langen Stehen
    Wenn Sie lange stehen müssen, verspannt sich Ihr Körper. An verschiedenen Stellen treten dann Spannungsschmerzen auf, denen Sie schlecht ausweichen können. Die Verspannungen befinden sich meist tief im Becken, an der Lendenwirbelsäule oder an Beinen, Knien oder Füßen.
  • Probleme beim Bücken und Lastenheben
    Es fällt Ihnen schwer, sich zu bücken – und noch schwerer fällt es Ihnen, aus der Hocke wieder nach oben zu kommen. Der Rücken fühlt sich zäh und unbeweglich an. Die Lendenwirbelsäule tut vermutlich weh. Die Rückseite der Beine ist verkürzt und eventuell wollen die Knie geschont werden. Sie vermeiden es, Lasten zu heben.
  • Probleme beim Sockenanziehen
    Auf einem Bein stehend, kriegen Sie den Fuß einfach nicht hoch genug, um sich die Socken anzuziehen. Sie müssen sich hinsetzen. Dann geht es so einigermaßen. Sie spüren deutlich die Spannung im Rücken und im Gesäß, die Ihre Beweglichkeit einschränkt. Von Jahr zu Jahr wird es schwieriger mit den Socken und Sie glauben vielleicht, alt zu werden.
  • Probleme beim Liegen und Einschlafen
    Sie können nur auf einer Seite liegen, nur auf der linken oder nur auf der rechten Seite. Die andere Seite fühlt sich unbequem an und es gibt Stellen, die nach einiger Zeit zu schmerzen beginnen. Oder aber Sie können nur noch auf dem Bauch oder dem Rücken schmerzfrei liegen. Vielleicht haben Sie sich bereits eine neue teure Matratze gekauft.
  • Probleme beim Einparken
    Wenn Sie Ihr Auto einparken, müssen Sie sich halb im Sitz umdrehen, um nach hinten zu blicken. Diese Bewegung fällt Ihnen schwer, ist zäh und im Nacken und Rücken spüren Sie Stellen, die sich dagegen sperren.
  • Probleme mit der Körperhaltung
    „Junge, sitz gerade!“, sagte die Mutter lautstark zum Sohn. – Sie wissen sofort, was gemeint ist. Das sind allgemeine Haltungsprobleme. Sie beginnen in der Jugend und verschlimmern sich mit zunehmendem Alter. Eine „schlechte Körperhaltung“ kann nicht vererbt werden, aber man kann sie erwerben.
  • Nackenschmerzen und verspannte Schultern
    Der Nacken reagiert recht empfindlich auf ungleiche Spannungsverteilung im Körper. Von Stress bis hin zu schlechter Körperhaltung: Der Nacken ist oft der Leidtragende. Die Ursache liegt häufig im Becken und in der Art, wie Sie den Kopf über den Füßen tragen. In der Regel sind die Schultern mitbeteiligt.
  • Spannungskopfschmerzen
    Kopfschmerzen, verursacht durch Verspannungen in den Schultern und im Nacken, entstehen durch eine Verengung der Blutgefäße, die den Kopf versorgen. Die Ursachen für Spannungskopfschmerzen sind vielschichtig. Eine ausgeglichene Körperhaltung ist eine wesentliche Voraussetzung, damit Ihr Kopf sich entspannt bewegen kann.
  • Schultern sind ungleich hoch
    Ungleich hohe Schultern sind ein gutes Indiz dafür, dass eine Körperhälfte stärker belastet wird und mehr halten muss.
  • Schultern sind hochgezogen
    Sie tragen Ihre Schultern immer leicht hochgezogen und Ihre Arme liegen meist eng am Oberkörper an. Es fällt Ihnen schwer, die Arme seitlich nach oben zu strecken, weil Muskeln verkürzt sind. Rund um die Schulterblätter gibt es diverse Verspannungen.
  • Kopf rutscht nach vorne
    Der Kopf rutscht nach vorne zwischen die Schultern. Ihre Nacken- und Schulterpartie ist verspannt. Vielleicht haben Sie auch Verspannungen in den Unterarmen. Diese „zu“ hohe Stabilität in den Schultern macht Sie etwas unbeweglich.
  • Runder Rücken
    Der Rücken wird im Laufe der Jahre immer runder und runder. Dies ist kein Anzeichen von Alterung, denn auch Jugendliche können einen runden Rücken entwickeln. Wenn Sie sich aufrichten, bemerken Sie, dass Ihnen die Brustatmung schwer fällt. Hingegen fällt Ihnen die Bauchatmung leicht.
  • Flachrücken
    Ist die natürliche Krümmung der Wirbelsäule gering, spricht man von einem Flachrücken. Dieser entsteht durch eine Überstreckung der Wirbelsäule und ist begleitet von Verspannungen rund um die dauernd gestreckte Wirbelsäule.
  • Hohlkreuz
    Ein Hohlkreuz entsteht, wenn das Becken nach vorne kippt. Das führt zu Spannungen im Bereich der Lendenwirbel, des Kreuzbeins, der Leistengegend und auch in den Beinen. Wenn Sie High Heels tragen, wird es noch schlimmer.
  • Unsicherheit in den Füßen
    Unsicherheit in den Füßen spüren Sie bei jedem Schritt. Das Gehen fühlt sich wackelig an.
  • Atmen fällt schwer
    Ihre Atmung ist ziemlich flach. Tiefes Einatmen oder tiefes Ausatmen sind anstrengend. Die Spannungen in Ihrem Brustkorb haben Sie schon so lange, dass sie Ihnen gar nicht mehr auffallen.
  • Flexibilitätsverlust
    Der Körper fühlt sich eng, verklebt, zäh und unbeweglich an. Es gibt Stellen, die besonders stark spannen, und manche Ihrer Bewegungen sind bereits etwas eingeschränkt.

Akute Schmerzen

Wenn Sie akute Schmerzen haben, gehen Sie bitte zum Arzt oder gleich ins Krankenhaus. Rolfer arbeiten in der Regel nicht an akuten Fällen. Ist jedoch die Wunde verheilt oder sind die Fäden nach der OP gezogen, können wir gerne einen Termin vereinbaren.


Symptome sind wie Wegweiser in der Rolfing Behandlung

Wenn Sie Ihren Körper einseitig benutzen dann trainieren Sie ihn in Ihrem Alltag in diese Richtung. z.B: wenn Sie tausend Tage lang gebückt über die Strasse gehen wird ihr Körper diese Haltung am Ende als „normal“ empfinden. Sie haben ihn nun in diese Haltung hinein trainiert. Als Folge baut er dann im Verlauf von Monaten und Jahren an bestimmten Stellen immer mehr Stabilität aufbaut, soviel Stabilität, dass das Gewebe sehr dicht und eng wird.

Das Gewebe verfilzt, wird unflexibel und Sie haben in diesem Bereich zunehmend Schmerzen. Das bezeichnet man dann als chronische Verspannung.

Dem gegenüber stehen Bereiche in Ihrem  Körper die zu wenig Stabilität haben. Oft ist es so, dass diese instabilen Bereiche keine Schmerzen verursachen und vom Körperbewusstsein ausgeblendet werden. Klienten die zu mir kommen wissen oft gar nicht, dass es sie gibt.

Im Rolfing behandeln wir grundsätzlich keine Symptome. Wir schauen uns das hinter den Symptomen liegende Bewegungsmuster an. Wir schauen uns den Körper als ganzes an wie er sich im Alltag bewegt. Wir betrachten die gesamte Körperstatik, sehen wo ist zuviel und wo ist zuwenig Stabilität ist, und beginnen dann dieses Verhältnis langsam zu verändern. Dadurch verändert sich Ihr Bewegungsmuster ein klein wenig. Dieses „wenige“ kann sehr viel bewirken. – Die Symptome derentwegen Sie herkamen nehmen dann ab oder verschwinden, fast wie von selbst.

Gravitation im Rolfing

Mit der Gravitation ist es wie mit den Fischen im Wasser. Wir Menschen sind dieses Feld der Schwerkraft so gewohnt, dass wir ihm keine Beachtung schenken.

Das besondere am Rolfing ist, dass Ida Rolf die Gravitation mit ins Spiel brachte. Diese zukunftsweisende Erkenntnis war ein neues Element in der Körpertherapie und ist die Grundlage fürs Rolfing bis heute.

Die drei Grundprinzipien

Im Rolfing® gehen wir von drei Grundprinzipien aus, die den menschlichen Körper beeinflussen.

  • Der Körper ist eine Einheit. Wenn ein Teil sich verändert, beeinflusst dies das gesamte System.
  • Die Faszien sind plastisch. Das Fasziensystem gibt dem Körper seine Form.
  • Die Gravitation beeinflusst unseren Körper in jeder Sekunde. Wir bewegen uns immer im Feld dieser Kraft.

Körper als Einheit

Wenn Sie die Strukturen des Körpers betrachten, werden Sie feststellen, dass er sich aus vielen Elementen zusammensetzt – Kopf, Brust, Beckenbereich, Beine usw. Diese Einzelstrukturen, die in räumlichen Beziehungen zueinander stehen, müssen als eine Einheit verstanden werden. Verändert sich ein Element, so hat das Auswirkungen auf den Körper als Ganzes, auf die Gesamtstruktur. Wenn Sie zum Beispiel einen Knickfuß haben und deshalb etwas hinken, wirkt sich das aufs Becken, die Wirbelsäule und den Hals aus, der den Kopf trägt. Rolfing macht sich diesen Zusammenhang zunutze und verändert das Verhältnis der Einheiten zueinander. Auf diese Weise wird die Form des Körpers verändert, was wiederum zu einer verbesserten Funktion führt.

Fasziensystem

Die Muskeln sind von feinen, weißen, mehr oder weniger dünnen Häuten bedeckt, den Faszien, die den gesamten Körper durchziehen. Faszien umhüllen nicht nur die Muskeln, sondern auch die Blutgefäße, Nerven, Organe, das Gehirn und die Knochen. Faszien sind das Verpackungsmaterial, das dem Körper seine Form gibt. Faszien halten Gelenke zusammen, bilden Sehnen und Bänder und übertragen so die Kräfte, die den Körper aufrecht stehen lassen. Faszien sind plastisch. Wenn ein Sportler viel Sport macht, verstärkt der Körper die Faszien der stark beanspruchten Gelenke. Werden Muskeln weniger benützt, verändert sich die Eigenschaft der Faszien: Sie verkleben und gleiten nicht mehr so gut, es entsteht eine Bewegungseinschränkung. Im Yoga werden deshalb die Faszien gedehnt. Im Rolfing machen wir uns diese plastische Eigenschaft der Faszien zunutze. Mit dem langsam schmelzenden Druck unserer Hände und Ellenbogen dehnen wir Rolfer genau jene Faszien, die den Körper daran hindern, sich ganz aufzurichten.

Faszien und Tensegrity

Faszien und Bändern verbinden Knochen und Gelenke miteinander. Die Art, wie sie das machen, bezeichnet man als Tensegrity. Das Besondere von Tensegrity ist:

  • Wird irgendwo im System die Spannung verändert, so hat das Auswirkungen auf das gesamte System.
  • Das System funktioniert nur als Ganzes. Wird ein Element beschädigt, ist das gesamte System beschädigt.
  • Die Fähigkeit des Körpers, zu federn, Kräfte aufzunehmen und wieder abzugeben und dabei formstabil zu bleiben, ist enorm.

In diesem Video sehen Sie Tensegrity-Strukturen:
Tensegrity Demonstration


Im Rolfing arbeiten wir mit dieser Tensegrity-Eigenschaft des Körpers. Wir machen nicht einfach alles locker, sondern wir verändern nur jene Faszienstrukturen, die die Aufrichtung des Körpers behindern. Aufgrund des im Video gezeigten Modells können Sie nun verstehen, warum eine Veränderung an Ihren Füßen Auswirkungen bis in den Hals haben kann.

Gravitation als strukturgebende Kraft

Beim Menschen sind der Fuß, die Beine, die Wirbelsäule und einfach alle statisch tragenden Strukturen nach dem Tensegrity-Prinzip konstruiert. Diese gesamte Konstruktion hat nur einen Zweck: Der Mensch soll sich federnd im Schwerefeld der Erde fortbewegen können. Die ganze menschliche Tensegrity-Konstruktion hat sich an die Bedingungen der Gravitation auf der Erde angepasst. Insofern ist die Gravitation die form- und strukturgebende Kraft. Je optimaler die Anpassung jedes einzelnen Menschen daran ist, desto effektiver kann er sich bewegen. Genau davon können Sportler ein Lied singen und ebenso der Neandertaler, als er sein Mammut jagte, denn Neandertaler und Sportler versuchen, ihr Ziel möglichst effektiv und schnell zu erreichen. Wenn wir, wie oben beschrieben, im Rolfing ordnend in die Beziehungsmuster der Körperelemente eingreifen, dann mit dem Ziel, die Summe all dieser Strukturen möglichst optimal an die Gravitation anzupassen. Sind im Körper keine Blockaden mehr, kann die Kraft der Gravitation ungehindert durch ihn hindurchfließen. Der Klient hat dann den Eindruck, dass er sich auf einmal leicht, elegant und mühelos bewegen kann.

Gravitation und Verschleiß

Befinden sich jedoch Blockaden im Körper, führen diese zu Bewegungseinschränkungen. Der Körper kann sich nicht mehr effektiv bewegen. Die Gravitation verstärkt den Prozess, es tritt Verschleiß auf. Am Ende tauscht man das Gelenk bei einer Operation aus. Wenn der Körper dysfunktional organisiert ist, wenn z.B. der Kopf zwischen den Schultern hängt, wie etwa bei Skoliose oder Plattfüßen, muss der Körper Muskeln zu Hilfe nehmen, die für diesen Zweck nicht vorgesehen sind. Das führt zu Verspannungen und zu Schmerzen. Jetzt führt der Körper einen aussichtslosen Kampf gegen die Gravitation, denn die Gravitation wird immer siegen. Folglich wird der Kopf immer tiefer rutschen, die Skoliose immer schlimmer werden, und die Plattfüße schädigen erst das Fuß- und später das Kniegelenk. Deshalb arbeiten Rolfer nicht an vordergründigen Symptomen. Vielmehr verbessern sie die Funktionalität des Körpers. Klienten finden mithilfe ihres Rolfers Wege, wie sie sich effektiver bewegen können. Das sind Lernprozesse. Um diese Lernprozesse zu vereinfachen, wurde die 10er-Serie geschaffen. Der Rolfer hat dabei weniger die Rolle eines Therapeuten als die eines Coachs.

Gravitation und Alterung

Alterungsprozesse nehmen rasant zu, bei Astronauten in der Schwerelosigkeit, wie die NASA-Forschung gezeigt hat, bei „Couch Potatoes“ und bei Menschen im Altersheim. Warum? Nun, die Gravitation ist nicht die Kraft, die Sie vorzeitig altern lässt, sondern es ist die Kraft, die Ihr Körper zusätzlich verbraucht, um korrekt zu funktionieren. Die Gravitation ist Ihr Freund. Je öfter Sie sich mit der Gravitation auseinandersetzen, wie z.B. wenn Sie Trampolin springen, Treppen steigen oder einfach kurz vom Stuhl aufstehen, desto besser. Wenn Sie im Rolfing lernen, mit Ihrem Körper effektiver umzugehen, um sich aufrecht in der Schwerkraft zu bewegen, dann lernen Sie auch seine Signale und Bedürfnisse besser kennen. Diese Form von Achtsamkeit hat Anti-Aging-Charakter.

Gravitation, Balance und Koordination

Wenn Sie ruhig stehen können, werden Sie spüren, wie Ihr Körper Sie dauernd daran „hindert“ umzufallen. Was Sie da beobachten, sind viele kleine Reflexe, die Ihnen erlauben, mühelos aufrecht zu stehen. Der Körper erledigt das für Sie. Wenn Sie nun eine Blockade in einem Körperteil haben, muss diese Versteifung ein anderer Körperteil durch mehr Beweglichkeit ausgleichen. Nimmt das zu, haben Sie Probleme mit der Balance. Alte Menschen haben vermehrt Probleme mit Balance und Koordination. Astronauten haben dasselbe Problem bei ihrer Rückkehr zur Erde. Ihr Körper hat verlernt, mit der Schwerkraft zu spielen. Die Schwerkraft fordert ihn auf, sich ständig mit ihr auseinanderzusetzen, sich dauernd an sie anzupassen, damit er nicht stürzt, umfällt, stolpert, wackelt, unsicher wird und das Gleichgewicht verliert, sondern in Balance bleibt. In einem Körper ohne Blockaden führen die vielen kleinen Reflexe, die ihn im Gleichgewicht halten, dazu, dass er dauernd in Bewegung bleibt – jedes Element bleibt ein klein wenig in Bewegung. Durch diese vielen Mikrobewegungen bleibt der Körper gesund, er kann sich selbst instand halten, kann sich selbst reparieren, kann sich selbst heilen. Als Rolfer möchten wir, dass dieser Prozess wieder in Gang kommt. Deshalb helfen wir dem Körper und dem Klienten, sich in der Schwerkraft aufzurichten.

Gravitation und Entspannung

Entspannung gelingt nur in der Lotrechten.

  • Im ersten Schritt richten Sie sich in der Schwerkraft vollständig auf. Sie stehen nun aufrecht.
  • Im zweiten Schritt erlauben Sie Ihrem Körper, sich automatisch durch die vielen kleinen Stellreflexe im Gleichgewicht zu halten. Im Idealfall balanciert Ihr Kopf auf dem ersten Halswirbel. Er wackelt wie eine Kugel ganz leicht hin und her.
  • Im dritten Schritt können Sie nun beobachten, wie Ihr Körper sich entspannt.

Sie stehen und entspannen sich nun gleichzeitig. Aufrecht und entspannt, das ist das Ziel im Rolfing.

Gravitation als evolutionäre Kraft

In der Entwicklung vom Affen zum Menschen hat die Evolution den Menschen aufgerichtet. Dr. Ida Rolf sagt nun, dass dieser evolutionäre Schritt der Aufrichtung noch nicht ganz abgeschlossen ist. Die Aufgabe des Rolfers sei es, diesen Prozess zu beschleunigen.

Gravitation und Spiritualität

Form und Funktion: Hat der Körper die aufrechte Form angenommen, kann er seine Funktion erfüllen. Dann kann die Gravitation ungehindert durch ihn hindurchfließen. Dann kann die Energie, die Himmel und Erde verbindet, durch ihn hindurchfließen. Dann ist er das verbindende Element zwischen Himmel und Erde –zwischen dem Göttlichen und dem Materiellen. Dr. Ida Rolf waren diese Überlegungen sehr wohl bewusst. Jedoch betont sie, dass im Rolfing der Körper nur vom physikalischen Gesichtspunkt aus betrachtet wird.


Buchempfehlungen:

Dr. Ida Rolf, Rolfing im Überblick: Physische Wirklichkeit und der Weg zu innerem Gleichgewicht 212 S., antiquarisch, Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, ISBN 978-3873871076 (Die englische Ausgabe Rolfing and Physical Reality)
Ein warmes und weises Selbstportrait. Ida Rolf schreibt über ihr Leben, über das Wunder des menschlichen Körpers, über das Leben im Allgemeinen und erklärt ihre Technik, wie Muskeln und Bindegewebe manipuliert und ausgerichtet werden. Sie präsentiert ihr Denken nicht als geschlossenes System, sondern wirft Fragen auf,  die sie nicht direkt beantwortet.

Dr. Joan Vernikos,  The G-Connection: Harness Gravity and Reverse Aging, antiquarisch, iUniverse, ASIN: B00IH7BGLK
Das Buch stellt die Ergebnisse aus 30 Jahren NASA-Forschung dar.  Bei mangelnder Bewegung oder Bettlägerigkeit im Altersheim und bei Schwerelosigkeit in der Raumstation werden physiologische Alterungsprozesse beschleunigt. Joan Vernikos kommt zu dem Schluss, dass der Mensch sich möglichst oft mit der Gravitation auseinandersetzen muss, um Alterungsprozessen entgegenzuwirken. Im Buch wird die Empfehlung an Büromenschen ausgesprochen, alle 20 Minuten kurz vom Bürostuhl aufzustehen und sich gleich wieder hinzusetzen. Das sei besser, als 20 Minuten am Tag ins Fitnessstudio zu gehen.

Orthopädie und Haltungsschaden

Nach Operationen, Verletzungen oder chronischer Überbelastung repariert der Körper das Bindegewebe und Fasziensystem, was zu Verhärtung und Spannungen führen kann. Durch schmerzbedingte Fehlhaltung kann sich die gesamte Körperstatik verschieben. So entsteht dann z.B. ein Haltungsschaden. Dieser äußert sich nach ein paar Jahren durch verschiedenste Symptome und chronische Schmerzen.

Rehabilitation in der Mainstream-Medizin

Die klassischen Reha-Maßnahmen wie physikalische oder Manual-Therapie werden empfohlen nach einer Operation, nach einem Unfall, bei Überbeanspruchung und wiederholten Verletzungen durch starke Beanspruchung. Der Schwerpunkt klassischer Reha-Maßnahmen liegt auf der Schmerzreduzierung und der Wiederherstellung von Funktion und Beweglichkeit des entsprechenden Gelenks. Fernwirkungen auf andere Körperbereiche, die nicht direkt verletzt wurden, bleiben in der Regel unberücksichtigt.

Wann wird orthopädische Körpertherapie angewendet?

Orthopädische Körpertherapie wird klassischer Weise für die Spätfolgen aus einem lokalen Ereignis wie z.B. einer Verletzung oder einer Operation angewendet. Nach Jahren treten verschiedenste Symptome auf:

Chronische Symptome wie z.B.

In den letzten Jahren setzte sich in der Mainstream-Medizin die Erkenntnis durch, dass alternative Methoden wie z.B. Rolfing® eine optimale Ergänzung zu den klassischen Reha-Maßnahmen darstellen. Diese eignen sich für die begleitende Behandlung folgender Symptome mittels Struktureller Integration durch Rolfing:

Akute Symptome wie z.B.

Was können Sie von Rolfing und der Strukturellen Integration erwarten?

Im Mittelpunkt der Behandlung steht der Bereich der Verletzung bzw. Entzündung. Diese soll zunächst entlastet werden, indem das umliegende Gebiet von Spannungen befreit wird. Auch wird berücksichtigt, wie sich der gesamte Körper um die verletzte Stelle organisiert hat. So wird zwischen dem Ganzen und der Symptom-Stelle hin und her pendelnd schrittweise mehr Beweglichkeit geschaffen. Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen sind wesentlicher Bestandteil der Behandlung, damit Schutzhaltungen bewusst werden und abgelegt werden können. Während der Behandlung tragen Sie Shorts oder leichte Kleidung, damit im Sitzen, im Stehen und auf der Matte behandelt werden kann.

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Was ist Körperarbeit – Bodywork?

Bodywork, Körperarbeit und Körpertherapie sind in ihrer Bedeutung ähnlich, jedoch nicht gleich. Der Begriff Körpertherapie wird im Deutschen verwendet um einen Menschen der krank ist oder der Beschwerden hat zu therapieren weshalb ich ihn nicht so gerne verwende.

Bodywork ist ein übergeordneter Sammelbegriff ähnlich wie „Bäume“ oder „Fische“ oder „Arbeit“. Er bezeichnet ganz allgemein die Arbeit mit dem menschlichen Körper.

Mit Bodywork können Sie Ihren Körper so beeinflussen, dass sich Blockaden, Verspannungen, Widerstände und Energiestaus im Faszien-, Muskel- und Nervensystem auflösen. Dadurch verändern sich Ihre äußere und innere Haltung,
Ihre Wahrnehmung und Ihre Bewegungen.

Sie können Bodywork zusammen mit einem Therapeuten, gemeinsam mit einem Lehrer oder Coach oder auch alleine praktizieren. Bodywork lässt sich in zwei große Bereiche unterteilen.

  • Hands-off Bodywork: Hier wird Ihr Körper vom Therapeuten, Lehrer oder Trainer nur sehr wenig oder gar nicht berührt,
    z.B. bei Yoga + Tai-Chi + Qigong + Sport + Somatic Experiencing + Tension Releasing Exercises
  • Hands-on Bodywork: Hier wird Ihr Körper durch den Therapeuten oft berührt,
    z.B. bei Massage + Physiotherapie + Osteopathie + Chiropraktik + Rolfing

Was bewirkt Bodywork?

Bodywork nimmt den Sand aus dem Getriebe. Der Schmerz lässt nach, die Symptome hören auf und Ihr Körper funktioniert wieder normaler. Sie spüren einen deutlichen Energiezuwachs. Ihre Bewegungen werden fließend, Ihre Wahrnehmung, die innere und äußere Balance, Ihre Stresstoleranz, Resilienz und Gelassenheit in Bezug auf die Welt und zu sich selbst nehmen zu. Es stellt sich ein Gefühl von körperlicher Balance und innerer Ausgeglichenheit ein.

Wie kann Bodywork mir helfen?

  • Bodywork hilft mit manuellen Techniken dem Körper, sich nach einem Unfall, einer Verletzung oder Operation schneller zu regenerieren.
  • Bodywork hilft, strapazierte Nerven nach einer Tragödie, einem Burnout oder einem Schicksalsschlag zu beruhigen.
  • Bodywork hilft Ihrem Nervensystem, die Folgen z.B. eines Schock-Traumas, eines Autounfalls oder einer Operation zu bewältigen.
  • Bodywork löst chronische Verspannungen, die durch Fehlhaltung, Dauerstress oder einseitige Belastungen entstanden sind.
  • Bodywork optimiert die Funktionen des Körpers vor einem Wettkampf, einem Bühnenauftritt oder einer Prüfung.

Der Ursprung

Der Begriff „Bodywork“ (dt. Körperarbeit) stammt aus der Selbsterfahrungsbewegung der 60er, 70er und 80er Jahre. Pioniere wie Alexander Lowen, Dr. Ida Rolf und Dr. Milton Trager prägten den Begriff „Bodywork“, um manuelle Techniken und Methoden zu beschreiben, die direkt mit dem menschlichen Körper arbeiten.

In den wilden 60er Jahren wurde Wilhelm Reich als Idol verehrt. Seine Vegeto-Therapie aus den 40er Jahren wurde aufgegriffen und fand weite Verbreitung in den Schulen von Bioenergetik, Rebalancing, Encounter etc., weshalb Reich als der Begründer der „Body Psychotherapy“ (dt. Körperpsychotherapie, Synonym: Körpertherapie) und des „Bodywork“ (dt. Körperarbeit) betrachtet wird. In Form einer „Revolution von unten“ lieferten diese Schulen Antworten und Konzepte auf drängende Fragen der Zeit. Sie förderten die Bereitschaft der Menschen, an der eigenen körperlichen und seelischen Entwicklung zu arbeiten, und beeinflussen nachhaltig die professionelle psychotherapeutische Praxis bis heute.

Bei all diesen vielen verschiedenen Methoden, die den Begriff „Bodywork“ verwenden, geht es immer darum, den menschlichen Körper so zu beeinflussen, dass er sich entspannt bewegen kann. Die entspannte, kraftvolle und harmonische Bewegung ist ein Zeichen für eine gesunde Körperfunktion und für innere Ausgeglichenheit.

Bewegungskunst im Bodywork

Heute verwendet eine Vielzahl von Disziplinen, die direkt mit dem menschlichen Körper arbeiten, den Begriff „Bodywork“, um ihre Arbeit zu beschreiben. In den Bereichen Yoga, Qigong und Tai-Chi wird er so verwendet, dass sich der Körper kraftvoll, elegant und integriert bewegen und so sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Ziel ist es, die Bewegung nicht zu kontrollieren, sondern sie von innen heraus mit möglichst wenig innerem Widerstand geschehen zu lassen. Dies geschieht, indem man mit dem Energiefluss, dem Chi, arbeitet.

Energetisches oder Fließendes im Bodywork

Bei den Massagen wie Esaleen Bodywork, Kahuna Bodywork, LaStone Therapy, Marmapunkt-Massage, der Tibetischen Massage und der Thai-Yoga-Massage wird das Gewebe und manchmal auch der gesamte Körper passiv von einer zweiten Person, dem Gebenden, bewegt. Der Fokus ist nicht wie bei der klassischen Massage auf die Verspannungen und Schmerzen des Klienten gerichtet, sondern darauf, das Chi in Bewegung zu bringen und es zu harmonisieren. Diese Formen des Bodywork betrachten den Körper als ein Ganzes mit einer ihm eigenen Intelligenz. Wird durch solch eine Massage sein Chi in Bewegung gebracht, ist der Körper in der Lage, sich auf einem ausgeglicheneren, höheren Niveau neu zu organisieren und so zu gesunden.

Integratives Bodywork

Die in den letzten 50 Jahren entwickelten Ansätze wie Rolfing, Chiropraktik, Osteopathie, Alexander-Technik und Trigger Point zeigen das traditionelle Feld der Begriffe „Bodywork“ und „Körperarbeit“. Ihr Ziel ist es, im Körpergewebe gespeicherte Verhaltensmuster und tief sitzende Anspannungen aufzulösen. Dabei wird auch das Nervensystem miteinbezogen, um so eine Veränderung – also eine innere Bewegung – im Körper zu ermöglichen, die ihn in die Balance zurückbringt. Dadurch kann er seine „Panzerung“ loslassen und sich frei und ohne innere Widerstände bewegen.

Diese Therapien kombinieren eine relativ ruhige Phase, in der das Fasziengewebe des Klienten bearbeitet und ausgerichtet wird, mit einer mehr aktiven Phase, in der der Klient im Sitzen, Stehen und Gehen die verbesserte körperliche Ausrichtung praktiziert. Einige dieser Bodywork-Therapien wie Rolfing und Osteopathie arbeiten sogar gezielt daran, Überbeanspruchungen, Überlastungen und Verschleiß vorzubeugen oder zu heilen. Typischerweise treten sie bei Tätigkeiten auf, bei denen der Körper intensiv genutzt wird: bei Tänzern, Musikern, Sportlern oder Handwerkern. Die Therapien eignen sich auch ganz hervorragend dazu, chronische Rückenschmerzen und Nackenschmerzen sowie viele andere solcher Leiden zu behandeln.

Den Fokus auf das Potenzial des Klienten gerichtet

Obwohl Bodywork-Therapeuten die psychischen Probleme ihrer Klienten in der Regel nicht ansprechen, ist ihnen der Zusammenhang zwischen Verspannungen und Energieblockaden und deren Bezug zu emotionalen und psychischen Aspekten sehr wohl bewusst. Die Aufmerksamkeit der Bodyworker richtet sich jedoch nicht auf die psychischen Schwächen und Probleme des Klienten, sondern es geht ihnen darum, einen sicheren Raum für den Klienten und seinen Körper zu öffnen und offen zu halten, in dem dieser sein Potenzial entdecken, erkunden und erproben kann.

Die Sprache des Körpers verstehen lernen

Mir persönlich gefällt Bodywork deshalb so gut, weil die Veränderung nicht im Kopf und nicht im Denken stattfindet. Die Veränderung geschieht im Körper. Dort ist sie direkt spürbar, wahrnehmbar und als Prozess des Loslassens erfahrbar. Diese Arbeit ist sehr direkt. Man kann dem Körper nichts vormachen und er belügt uns nicht. Er meldet sehr schnell zurück, ob der Ansatz richtig ist oder nicht. Jeder Fortschritt ist sofort sinnlich und meist angenehm spürbar.

Bodywork hilft uns, die Sprache unseres Körpers zu verstehen. Denn unser Körper sagt uns sehr präzise, wenn wir es übertreiben, weil wir uns zu sehr „pushen“, was wir durch einseitigen Lebenswandel vernachlässigen, wo wir hängen geblieben sind, wo sich schlechte Gewohnheiten eingeschlichen haben oder wo wir etwas festhalten und es schlicht wehtut.

Da wir Menschen jedoch häufig eine verzerrte Selbstwahrnehmung mit blinden Flecken haben, benötigen wir die gelegentliche hilfreiche Präsenz eines Therapeuten, Lehrers oder Trainers, damit wir uns selbst besser erkennen und die Signale unseres Körpers besser verstehen lernen.

Wenn wir lernen hinzuhören, werden wir entdecken, dass unser Körper uns mit Nachrichten versorgt, die uns sagen, wann wir unausgeglichen sind oder was mit unserer Haltung nicht stimmig ist. Wenn wir diese Signale verstehen lernen, helfen sie uns dabei, uns im Fluss unseres Alltagslebens immer wieder neu auszurichten.

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Rolfing und Radsport

Ob auf der Straße oder in den Bergen: Im Radsport braucht der Körper eine solide Trainingsgrundlage. Dies ist der Schlüssel, damit eine Top-Performance über einen langen Zeitraum gehalten wird und Verletzungen oder Überbeanspruchungen möglichst nicht auftreten.

Viele Radfahrer tappen jedoch in die Falle zu denken, Radfahren sei nur eine Sache der Beine. Leider ist es nicht so.

Die Beine, die Hüften und das Gesäß erzeugen die großen Kräfte, um das Rad zu bewegen. Doch um den unteren Teil des Körpers zu stabilisieren, sind ein starker Bauch, Rücken und Oberkörper notwendig. Alle Bereiche des Körpers müssen zusammenarbeiten, um das Rad zu stabilisieren und maximale Kraft in die Pedale zu bringen. Radfahren ist eine Ganzkörperaktivität.

Ursachen und Verletzungen

Es gibt viele verschiedene Ursachen für Verletzungen beim Radfahren. Die wesentlichsten sind:

  • Ein Unfall, oft durch zu hohe Geschwindigkeit und Kontrollverlust.
  • Die Sitzposition auf dem Fahrrad ist falsch eingestellt.
  • Die Körperhaltung ist nicht korrekt.
  • Der Körper ist nicht trainiert und nicht an die Sitzposition gewöhnt.
  • Der Körper wird während der Fahrt überfordert.
  • Die Fahrt wird nicht abgebrochen, wenn erste Symptome auftreten.

Mal abgesehen von Stürzen und Unfällen sind die klassischen Probleme im Radsport:

  • Nacken- und Hinterhauptverspannungen
  • IT-Band-Syndrom (Läuferknie)
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Handgelenks- und Unterarmprobleme
  • Knieverletzungen
  • Urogenitalprobleme durch den Kontakt am Sattel
  • Schulterblattsyndrom
  • Lendenwirbelsäule ist komprimiert

Wie vermeide ich Verletzungen?

  • Trainieren Sie, um Rad zu fahren – und nicht anders herum.
  • Arbeiten Sie an Ihrer Körperhaltung. Die Haltung auf dem Rad ist wichtig, um Kraft effizient zu übertragen und die Überlastung von Gelenken zu vermeiden.
  • Verbessern Sie die Rumpfbeweglichkeit und -stabilität sowie die Fähigkeit, Kräfte weiterzuleiten. Wenn Sie viele Stunden auf dem Rad sitzen, ist eine korrekte Körperhaltung wichtig, um Beeinträchtigungen oder Verletzungen an Nacken und Rücken zu vermeiden.
  • Trainieren Sie im Studio an Geräten und achten Sie dabei auf die korrekte Körperhaltung. Simulieren Sie dabei die entsprechende Position auf dem Fahrrad. Krafttraining hilft, Überbeanspruchung an Händen und Knien vorzubeugen.
  • Achten Sie darauf, dass das Rad optimal auf Ihren Körper eingestellt ist und dass der Sattel keine Kompression der Nerven und Blutgefäße am Damm verursacht. Eine gute sitzende Ausrüstung ist so wichtig wie die richtige Schuhgröße.
  • Stretchen Sie Ihren Körper regelmäßig und moderat. Die Faszien sind dadurch besser in der Lage, Kräfte zu speichern und weiterzuleiten.
  • Wenn Sie viel Rad fahren, trainieren Sie parallel in einem Ausgleichssport, wie Laufen oder Schwimmen. So wird der Schultergürtel aus seiner Fixierung an den Fahrradlenker befreit.
  • Tragen Sie beim Radfahren einen Helm.

Wenn Sie nur auf Kraft und Stabilität trainieren, verkürzen sich Ihre Faszien, sie werden hart und unflexibel. Deshalb braucht Ihr Körper auch ein regelmäßiges moderates Stretching. Hier kann Rolfing Sie unterstützen. Aber Rolfing ist mehr als Stretching.

Rolfing ist Arbeit an der Körperhaltung – auch auf dem Rad

  • Rolfing befreit Sie von Verspannungen, die Ihre Bewegungen beeinträchtigen, und nimmt unnötige Spannungen aus den Gelenken. Sie erhalten Stretching an Stellen, die Sie selbst nicht erreichen können.
  • Rolfing hilft Ihnen, das Risiko von Überbeanspruchung und Verschleiß zu reduzieren, indem es den Körper in seine bestmögliche Form modelliert.
  • Rolfing arbeitet an Ihrer Körperhaltung, denn Fehlhaltungen verbrauchen unnötig Energie und strapazieren die Gelenke.
  • Rolfing löst Verfilzungen im Gewebe auf, die durch Verletzungen und Überbeanspruchung entstanden sind.
  • Jedoch hat Rolfing kein Patentrezept. Die Themen, die Ihr Körper mitbringt, haben Vorrang und erhalten eine individuelle Lösung.
  • Die Historie an Verletzungen, die Ihr Körper mitbringt, und Ihre Trainingsziele stehen im Vordergrund.
  • Übergeordnetes Ziel ist es, Ihre Faszien im ganzen System zu stärken und gleichzeitig elastisch zu halten.
  • Wir arbeiten meistens auf der Massagebank, aber auch im Sitzen und auf der Matte.

Die für den Radsport wichtigsten Muskelketten werden durch Rolfing angesprochen, mit Betonung auf Atmung, Beckendynamik und Rumpfstabilität.


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„Überlastungssymptome bei Mountainbikern“
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Der Artikel stellt die verschiedenen Überlastungssymptome bei Mountainbikern dar. Von den 840 Befragten hatten 90 Prozent Überlastungssymptome.